Tag Sechsundneunzig. Scheiße, es geht wieder los.

Wie es mir mein Bauchgefühl wieder vorlebt. Die Angst ist zurück. Meine Angst, alleine zu bleiben, niemanden zu haben, der mich liebhat. Und diese Angst ist aktuell immer noch untrennbar mit dem Ex verbunden. Äußert sich in panischen Gedanken, dass er sich nie für mich entscheiden wird. Seit heute Morgen habe ich ein flaues Gefühl im Bauch, weil ich weiß, er hat diese Woche den ersten Termin beim Therapeuten. Und zack, so war es auch, er war gerade dort. Und er möchte erstmal seine Ruhe. Okay, das ist nachvollziehbar, so eine Therapiestunde wühlt auf, aber natürlich rattern jetzt tausend Gedanken durch meinen Kopf: Wird er sich jetzt endgültig von mir trennen? Hat er gemerkt, dass er mich vielleicht gar nicht liebt und sich das nur einbildet? Hat er neue/alte Gefühle für die Mutter seines Kindes entdeckt? Ich weiß, ich bin hysterisch, aber gerade drehe ich frei deswegen. Freunde, das ertrage ich nicht jedes Mal, wenn er zum Therapeuten geht. Jede Woche dann aufs neue die Angst, obs das jetzt war, weil es bei ihm im Kop „klick“ gemacht hat. Neinnein, das bekomme ich nicht hin. Der Ex würde mich jetzt beruhigen wollen und sagen „ich mache das, damit ich den Schritt tun kann, zu Hause auszuziehen und nicht, um mich von dir zu lösen.“ oder „Eine Therapie löscht ja keine Gefühle.“ Jaja, das kann er noch so oft sagen, aber sie öffnet einem im besten Fall die Augen und das kann dann zwangsläufig dazu führen, dass man sich von Menschen löst…

Und bei all der Panik weiß ich doch, dass es egal ist, wenn er geht. Also so allgemein. Wenn er geht, dann geht er. Dann ist es vorbei. Wie Millionen andere Beziehungen vorbei sind. Dann versucht man das zu verarbeiten und dann gilt es: Knie abputzen, Krönchen richten, weitermachen! Bis vor ein paar Wochen war ich da schon mal auf einem besseren Weg, gerade bin ich davon wieder abgekommen, sicher, weil wir zu viel Kontakt haben, das ist nicht gut. Wir sollten keinen Kontakt haben, jeder seinen Weg gehen und vielleicht haben wir dann irgendwann noch eine Chance, aber so wie jetzt ist das natürlich der Horror. Hauptsächlich für mich, ich sitze im Wartezimmer und warte darauf, dass er mir den Befund mitteilt: Gemeinsame Zukunft oder endgültige Trennung. Das Quälende daran: Es kann noch ewig dauern, bis dieser Befund da ist. Solange hoffe ich, bange ich und zerreiße mich. Das ist nicht gut.

Okay, soviel zu meinem Gefühlszustand von heute, alles andere als cool und entspannt.

Bin die Tage krank geschrieben, Horror ist das. Man hat zu viel Zeit zum Nachdenken.

Bin gespannt, ob ich bis heute Abend wieder ein bisschen runterkomme, denn immerhin weiß ich, dass meine Angst, ihn zu verlieren, im Grunde nur die Angst vor der ungewissen Zukunft und damit die Angst vorm Alleinsein ist. Geht also gar nicht um ihn. Er soll sich ja nichts einbilden. ;-)

Achso, sein Therapeut hat eine Katze, das hat er mir noch mitgeteilt. Miau.

Tag Fünfundneunzig. Kinderfotos, Blumen zum Valentinstag und: Wo bin ich dabei?

Ach Kinder, was soll ich euch erzählen? Ich liege im Bett, bin mega verschnupft und habe einen Verband um mein Kinn. Schuld daran ist ein kleiner Eingriff im Gesicht, nähere Infos erspare ich der Allgemeinheit, ich bin bei sowas eher empfindlich und ein Fan von Verbandszeug, man kann Schlimmes hübsch verpacken. Sollte es auch für Beziehungen geben.

Gleich läuft die Oscar-Verleihung im TV. Vor acht Jahren, am Abend der Oscar-Verleihung 2007 war unser erstes Date. Bei ihm zu Hause. Ich weiß noch, wie er mich in Gohlis ( im guten Gohlis, alle Leipziger wissen,was ich meine) von der Straßenbahnhaltestelle abgeholt hat. Mega schüchtern war ich mit meinen 22 Jahren…und er hatte diese unfassbar hässliche, beigefarbene Jacke mit diesem abgeschrabbelten Fellkragen an! Werde bei Gelegenheit einen extra Eintrag zu unserer Geschichte machen, damit ihr – falls von Interesse – einen groben Überblick bekommt.

Der Kontakt zum Ex besteht weiterhin. Wir telefonieren seit ein paar Tagen auch wieder öfters. Ich hatte mega Stress auf Arbeit (ganz neu in meiner Firma angekommen: Trend Datenklau! Wohoo!). Da er aus der selben Branche kommt, hat er mir da tatsächlich sehr weitergeholfen.

Nichtsdestotrotz ist es ein Auf und Ab. Ich erwähnte in einem Gespräch, dass ich weiter Gefühle für ihn habe, dass ich mein Herz aber nicht mehr für Andere verschließen werde, wenn Einer kommt, dann kommt Einer. „Das ist aber überraschend von dir! Du machst damit ja quasi Schluss!“ kam von ihm. Hä? Sind wir denn zusammen? Und überhaupt, ist schon ein bisschen selbstgefällig. Was heißt hier, ein bisschen. Und als ob ihn die Panik beschlichen hätte und er mich zurückholen müsste, kamen abends direkt noch drei Kinderbilder von seinem Sohn. Mit dem Satz „Natürlich schicke ich dir gern ein paar Bilder von meinem Kind und mir, wenn du noch willst.“ Erstens hat er gar nicht abgewartet, ob ich das noch möchte, er hat sie einfach geschickt. Zweitens hatte ich ihn sieben (!) Wochen vorher nach einem Bild gefragt. Mitte Dezember, vor unserem Cut. Und er schreibt jetzt, als hätte ich nachmittags nebenbei gefragt.

Dann kam Valentinstag. Ein Blumenbote hat mir einen tollen Strauss dunkelroter Tulpen gebracht. Okay, es war kein Blumenbote, sondern zwei völlig überfordert wirkende Schülerinnen, die sich mit der Lieferung ihr Taschengeld aufgebessert hatten, aber egal. Der Strauss war tatsächlich sehr schön. Keine zwei Euro Tulpen, die man sich beim Wochenendeinkauf in den Wagen neben die Butter und das gemischte Hackfleisch für die Spaghetti Bolo legt, nein, richtig schöne Tulpen, die auch jetzt noch halten und halbwegs schön aussehen. Ach, da hab ich mich gefreut. Ich bin mir aber weiter nicht ganz sicher, ob ich mich mehr über die Tatsache gefreut habe, dass der Ex mir die Blumen geschickt habe oder dass ich überhaupt mal per Bote einen Blumengruß bekommen habe, so wie im Film. Aber manchmal erwische ich mich dabei, wie ich vor den Tulpen stehe und mir denke, wie es sein kann, dass ER mir nach acht Jahren tatsächlich Blumen schickt. Einmal habe ich es ihm am Telefon gesagt, beziehungsweise hab ich ihn gefragt – nachdem ich mich bedankt habe – was das soll. Er fuhr leicht aus der Haut und motzte: „Verdammt nochmal, die Blumen kamen von Herzen, weil ich nun mal ein mega verliebter Typ bin, in dich verliebt!“ Okay, weiß ich Bescheid. Also nee, eigentlich nicht.

Ganz ehrlich, ihr würdet euch doch auch fragen was das soll? Vor sieben Wochen riesiger Cut, kein Doppelleben, blabla, lauf mir nicht nach, süüüülz, ich kann das nicht, ich kann meine Familie nicht verlassen, ich werde bei ihr bleiben, blaaaaa! Und nun Blumen zum Valentinstag und täglich schnulzige Nachrichten?!

Das war noch nicht alles. Er möchte mir nicht wieder zu viel erzählen, nicht den selben Fehler machen wie im Herbst, aber er hat beschlossen, er kann nicht ohne mich, er möchte sein Leben ändern. Gut, er hat dann doch ein bisschen erzählt. Nämlich, dass er bereits einen Termin beim Therapeuten hat. Noch diese Woche gehts los. Aha. Na gut. Ich gebe zu, ich hätte gedacht, das dauert um einiges länger, bis er diesen Schritt geht, beziehungsweise hab ich gedacht, er geht ihn erst einmal gar nicht. Aber Therapie heißt ja nicht Happy End, kann ja auch sein, dass er für sich beschließt, vorerst komplett ohne Frau zu sein und mich wegschiebt. Mal wieder. Ich bin skeptisch.

„Ich bereite mich auf den Auszug vor.“ Das war die letzte dieser „Hiobsbotschaften“ der letzten zwei Wochen. Nach Therapieankündigung will er also nun – erneut – ausziehen. Er hat gleich hinterher geschoben, dass es ein paar Monate dauern wird, der Wohnungsmarkt in Berlin ist hart umkämpft, er hat wenig Geld und eine OP steht bei ihm auch noch an. Okay, also er sagt mir, er bereitet sich auf den Auszug vor, sagt aber auch gleich, dass es wohl wieder nichts wird, weil gerade „so viel los“ ist. Ganz ehrlich, mir wär lieber, er würde das alles für sich behalten. Ich meinte scherzhaft, wenn ich bereits einen Job in Berlin hätte, könnten wir eine WG aufmachen, dann spart er sich neue Möbel, von ihm kam „WG? Gemeinsame Wohnung!“ Jahaaa, natürlich! Siebeneinhalb Jahr möchte er keine normale Beziehung, aber dann gleich zusammenziehen, nachdem er sich von Frau und Kind getrennt hat. Sag  mal, solln das?! Ohne Frage, der romantische Teil in mir hat die schöne Drei-Raum-Wohnung in Berlin natürlich schon imaginär eingerichtet, ich sehe mich mit ihm Sonntagabend auf der Couch abhängen, Griespudding oder Mousse Au Chocolat (oder Beides) essen, aber nein, der romantische Teil hat gerade Pause!

Fakt ist: Er baut sich hier gerade ein Kartenhaus auf, dass bereits morgen wieder zusammenfallen könnte. Und ich bin mal wieder auf der Suche nach der Antwort auf die Frage  „Wo bin ich bei der ganzen Sache?“

Tag Zweiundachtzig – Vom Rosenkrieg bis „Alles auf Anfang?“

„Wenn Liebe zu abgrundtiefen Hass wird, dann ist das Ende unwiderruflich da.“

Der Ex. Er ist genauso dramatisch wie ich. Aber zurück zum Anfang.

Nach unserem Telefonat und seinen „Du fehlst mir“ Nachrichten war Ruhe. Fast ganze vier Tage! Wohoo! Freitag vor einer Woche war ich auf einem Konzert, sehr niedlicher Frontmann der Band „Von Eden“, falls das jemanden interessiert. Der Sänger spielt aktuell in so ner RTL Serie mit und ist auch noch ein alter Schulfreund meines guten Kumpels. Wie auch immer, ihr seht, ich hatte  einen entspannten Abend. Bis mein Handy vibrierte und ein Dialog meinen Freitagabend versaute:

Der Ex: Wir wollten uns ja schreiben, wenn wir aneinander denken … ich denke an dich. Ganz oft, ganz doll, ganz … Ich vermisse dich. Du bist toll!

Ich: ich denke auch noch an dich, aber: ich hab das ende in meinem kopf verankert, ein wichtiger schritt ist getan. dass du wieder mit ihr intim bist, hat mir die augen geöffnet. ich fühlte mich, als hättest du mich betrogen. is quatsch, ich weiss, aber so ist es.

Der Ex: Ich hatte meine Chance und ich habe sie nicht genutzt. Das weißt du, das weiß ich. Dass du ein Ende verankert hast, ist irgendwie das, was nötig ist und auch etwas, was ich provoziert habe. Aber es schmerzt dennoch UNGEMEIN das zu erfahren.

Ich: Du willst es so. es gibt momente, da ist sehnsucht nach dir da. dann stell ich mir vor, wie du mit ihr sex hast, wie du sie küsst und ihr liebe dinge sagst. dinge, die du mir auch sagst oder gesagt hast. dann wird mir schlecht und ich fühle mich leicht angewidert. dann gehts aber mit der sehnsucht. und jedes einzelne deiner wörter von dir an mich kommen mir dann wie eine lüge vor.

Dann wurde er leicht dramatisch.

Der Ex: Das stimmt zwar alles nicht mit meiner Realität über ein. Aber es ist eine gute Taktik. Ich will sie dir auch nicht ausreden. Ich wollte nur sagen, dass ich dich vermisse. Das werde ich noch lange, vielleicht immer. Ich werde mich nicht mehr melden – vielleicht nie wieder.

Ich: du hast mir gesagt, dass du wieder mit ihr schläfst. mehr zählt für mich nicht. wenn du dich nicht mehr meldest, dann ist dss eben so. bestätigt aber nur, dass du es tatsächlich nciht ernst meinst mit mir und mit uns. nicht jetzt und nicht irgendwann. du bist ein schlechter mensch. schlecht zu dir selbst. ich hoffe, du erkennst es irgendwann und kannst es ändern. es tut gut, wenn man das erstmal erkannt hast.

Der Ex: Wenn sich Liebe in tiefen Hass verwandelt, dann ist das Ende unwiderruflich da.

Ähm ja, der Satz mit dem Hass. War Quatsch, weiß er auch. Das hat mich nur noch mehr in Rage gebracht und ich hab ihn nochmal ordentlich mit Monologen bombardiert, ich war gerade so in Fahrt. Und ich dachte mir, hahaaa, ich bin eine selbstbewusste Frau im Abnabelungsprozess und jetzt bekommt er eine richtige Packung Wut ab!

Ich: dir is klar, dass das quatsch is mit dem hass. frage mich aber gerade, was du von mir hören willst? kommst du zu mir zurück, wenn ich dir sage, dass ich mich nach dir verzehre? nein! wir hätten es probieren können, du wolltest es nicht. ich will dich nicht hassen und ich werde es nicht. das bild mit uns auf der parkbank mit uns beim entenfüttern ist weiter da. aber du magst es dir eben nicht genau angucken.statt nach einer lösung für deine zukunft zu suchen oder diese anzugehen suchst du gerade nach einer lösung für deine vergangenheit. und da gehöre ich eben nicht mehr rein. also komm mir nich mit solchen sprüchen wie hass. wir haben es nicht mehr 2009, aus dem alter sind wir raus ;) du und ich, das wäre die zukunft. zusammen mit deinem sohn, der ist auch deine zukunft. aber du hast nunmal die perfekte frau für dich verschmäht. lebe damit! und wenn du dich nie wieder bei mir meldest, kann ich nur sagen: selbst schuld! that’s it! schönes 2015 dir!

Gut, soviel zu disem Freitagabend. Von ihm kam dann nichts mehr und mich hatte das ganze Theater dann doch mehr aus der Fassung gebracht, als mir lieb war. Als ich mir zwei Tage später einen schnulzigen Film (Zwei an einem Tag, die kriegen sich erst nach 15 Jahren und haben dann nur wenig gemeinsame Zeit, grausam!) angeguckt habe, schrieb ich ihm, egal, wie wütend ich gerade auf ihn bin, dass ich keine Sekunde mit ihm bereue. Und zack, in nur einer Sekunde einen kompletten Rückfall erlitten! Den Freitag drauf, also vor ein paar Tagen likte er dann wie wild Fotos von mir auf Instagram, er war mit seinen Kumpels unterwegs und in Alkohollaune. Kennen wir alle, in Weinlaune die Profile vom Ex stalken oder schlimmer noch, fiese Nachrichten verschicken. Nummer löschen ist bei sowas immer ganz gut. Ganz gut oder noch besser wäre gewesen, ich hätte seine Instagram-Likerei einfach stehen gelassen. Aber nein, ich schrieb ihn an, dass er auf seinem Whats App-Profilbild ganz schön fertig aussieht, blablabla… wir schrieben ein bisschen hin und her und plötzlich wurde es leicht flirty…aber nur leicht! Er schrieb, dass er alles sehr vermisse, mich, uns, alles und es seien keine leeren Worthülsen. Also das übliche Gesülze… und dann wurden seine Sätze doch schwammig. Vor ein paar Wochen noch der mega Cut, er kann kein Doppelleben führen und kann auch nicht von seiner Familie weg, jetzt schreibt er Dinge wie „Ich muss meinen Weg allein gehen, er wird lange dauern, aber ich will glücklich werden, mit dir!“ Und sachen wie „Wir stecken in einer tiefen Krise, aber ich arbeite daran, sie zu lösen.“ Moooment, WIR stecken in einer Krise?? Ich glaube nicht! Wenn, dann doch er?! Ich meinte zu ihm, mein Herz hängt immer noch an ihm, aber ich verschließe es nicht mehr für andere. Für ihn kam das mit einer Schlussmach-Aussage gleich. Da frage ich mich, sind wir zusammen? Glaubt er das? Hängt er an mir und sieht jetzt seine Felle wegschwimmen? Er betonte auch nochmal, dass zu der Mutter seines Kindes keine intime Beziehung besteht oder die letzte Zeit bestand, das hätte er auch nie gesagt, er hat mir nur meine Frage danach am Telefon nicht beantwortet. Da kann ich nur mit den Zähnen knirschen und sagen, okay, hat er sooo direkt wirklich nicht gesagt. Aber gut, der kann mir ja viel erzählen!

Or, auf jeden Fall haben wir gerade wieder zu vel Kontakt zueinander und diese Diskussionen und dann doch wieder große Gefühlsbekundungen. Scheiße, verdammter Drecksmist, ich dachte, es wäre vorbei diesmal. Er fragte mich auch, ob wir uns sehen und schrieb dann gleich wieder, ich solle die Frage vergessen. Ganz ehrlich, natürlich will ich ihn sehen, ihn küssen, riechen, umarmen, schmecken, aber das geht doch nicht! Er will kein Doppelleben und er kommt doch sowieso nicht zu mir?! Heute ist Dienstag, wir haben wieder ein bisschen geschrieben, aber ich muss die Notbremse ziehen für die nächsten Tage, ich seh mich sonst in ein paar Tagen, wie ich ihn frage, wann wir uns sehen. Dann geht der ganze Mist von vorne los – NEINNEINEIN!

Aber mal davon abgesehen: Wir haben es erst Anfang Februar und ich hatte schon drei Dates und eine Knutscherei am letzten Samstag, niemand kann mir vorwerfen, ich würde mich zu Hause ein-igeln! Aber noch weiter davon abgesehen: Die Typen waren alle nichts. Sie waren alle nicht der Ex.

Tag Siebenundsechzig. Das letzte Telefonat, Tschüss Katzenfrau und der schönste Mann der Stadt (nicht der Ex!).

„Es tat gut, deine Stimme zu hören. Du bist toll. Ich hab dich lieb.“ Und dazu noch 49 Mal „Du fehlst mir.“ Das sind die Nachrichten, die ich seit letztem Donnerstag vom Ex bekommen habe. Mittwochabend haben wir telefoniert, ich habe es eingefordert, das Abschiedstelefonat. Und tatsächlich fühle ich mich seitdem klarer. Nicht besser, im Gegenteil, aber zumindest haben wir nochmal gesprochen, dieses Kindergartengeschreibe hält ja keiner aus!

Inhalt des Gesprächs? Tränen meinerseits, Gejammer meinerseits. Seinerseits nur die Ansage, dass es keinen Kontakt mehr geben wird. Er muss sich zurechtfinden und mit seiner Entscheidung leben. Dazu gehört auch, dass er wieder mit seiner Uschi schläft. Jaaa, dann fick sie doch! (An dieser Stelle eine Musikempfehlung -> Alligatoah mit „FIck ihn doch“) Ich kann sein Gejammer nicht mehr ertragen, er will, aber er kann nicht, halts Maul, Junge!!

Er hält immer noch daran fest, eine Therapie zu machen, später in diesem Jahr. So ein Quatsch! Das glaubt der doch selber nicht?! Er macht ja gerade eine Paartherapie mit seiner Ollen. Diese Therapie war vor ein paar Wochen noch dazu gedacht, die Trennung zu regeln, nun ist sie dazu gedacht, die beiden wieder zusammenzuführen. Ich kotze bei dieser ganzen Verarsche, wirklich, ich kotze!!! Sorry für meine aggressive Ausdrucksweise heute, aber ich bin echt wütend. Tut eigentlich auch ganz gut, sollte ich auch sein und nicht immer verständnisvoll.

Gut, so hätte ich ihn vielleicht mal während des Telefonats anschreien sollen. Hab ich nicht gemacht. Stattdessen hab ich wohl sowas gesagt wie, dass er mir ruhig sagen soll, wenn er mich vermisst, das lässt es mich leichter ertragen. Ist natürlich Quatsch, das weiß ich jetzt auch. Drei Tage lang hab ich es geschafft, seine Nachrichten per Facebook und später per Whats App zu ignorieren. Diese Nacht (ich konnte nicht schlafen) hab ich sie gelesen und ihm geantwortet „Schön, dass es dir mit der Sache gut geht. Mit der einen Frau schlafen, die andere vermisst du.“ Mehr nicht. Von ihm kam gerade dazu „Danke für deine Antwort“. Und da ich ihn kenne, heißt das in etwa so viel wie „Danke für deine unfassbar in meinen Augen übertriebene Antwort, du musst doch Verständnis haben für meine Situation und ich finde es unter aller Sau, dass du Kritik an meinem Verhalten übst.“ So viel zum Ex, ich denke, der 26.01.2015 ist ein gutes Datum für den letzten Kontakt zwischen ihm und mir. Egal wie doll ich in nächster Zeit noch leiden werde, ich möchte einfach ,dass es vorbei ist und nun habe ich mein Abschiedstelefonat bekommen, nun liegt die Arbeit bei mir. Tschüssi!

Und der Knaller: Am Wochenende war ich beim Fasching (Ist hier in Leipzig weniger traditionell, eher Feiern im Kostüm) und zack, stand er auf einmal vor mir, der tollste Mann der Welt! Für den Moment zumindest! Der hat mich nicht nur optisch geflasht, sondern auch so von seiner Art! Er kannte mich von einer Party eines gemeinsamen Freundes, ich konnte mich überhaupt nicht an ihn erinnern, was mich wundert, denn dieser Mann von Mann wäre mir doch aufgefallen! Nun, wir hatten ein tolles Gespräch und auch ein bisschen geflirtet, aber er hat wohl kein Interesse daran, mich näher kennenzulernen, denn mein Angebot, dass wir mal ein entspanntes Käffchen trinken gehen, hat er gekonnt ignoriert. Gut, im Grunde wäre es auch zu früh, ich bin nur froh, dass es überhaupt noch Männer gibt, die mich so ZACK! umhauen! Und ich gehöre nicht zu denen, die was von Liebe auf den ersten Blick halten.

Auch meine Einstellung ändert sich seit einigen Tagen ein bisschen. Meine Freundin meinte letzte Woche „Ach warts ab, in zwei Jahren rennste mit nem Kugelwanst durch die Gegend und der kommt nicht von Schokolade!“ Seitdem stelle ich mir vor, wie ich mit Partner (der NICHT der Ex ist) und Kugelbauch aussehe. Die Vorstellung gefällt mir besser, als die von der Katzenfrau.

Geht es etwa voran?

Tag Einundsechzig. Die Wut kommt.

Hm, es wird tatsächlich besser. Nicht weniger, der Ex ist im Kopf immer noch sehr präsent, als würde er mich beobachten. Die Sehnsucht sitzt auch noch fest auf der Couch, als würde sie sich alle Staffeln „Sex And The City“ hintereinander anschauen und nicht wegbewegen wollen. Aber die Sehnsucht muss immer wieder Platz auf dem Sofa machen. Die Wut will hier und da eine Folge mitschauen. Und ja, so langsam werde ich wütend. Ich würde ihm so gern ins Gesicht schreien, in so richtig anmotzen, all das, was ich nicht getan habe. Weil ich Verständnis gezeigt habe. Und auch Verständnis gefühlt habe.

Jetzt fühle ich Wut. Wut auf seine Feigheit, auf seine ganzen Nachrichten, in denen Sätze standen wie „Ich weiß, dass mein Herz dem richtigen Menschen gehört: Dir.“ oder „Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Gefühle für dich jemals weniger werden.“ FICK DICH!!!! Sorry für die ordinäre Ausdrucksweise, aber das muss sein, denn ein gepflegtes „FICK DICH“, das hätte er jetzt verdient! Verschiedene Ratgeber sagen, man solle dem Expartner einen Brief schreiben, in dem man ihm alles aufschreibt, was man noch loswerden möchte. Den Brief soll man dann aber nicht abschicken. Ich lasse das lieber, denn ich weiß nicht, ob ich mich zurückhalten könnte, den Text abzuschicken, wenn ich mich einmal in Rage geschrieben habe. Am Ende bereue ich das alles dann kurze Zeit später und jammere ihm wieder nach und schreibe ihm, dass es mir leid tut. So wäre (und so ist das) noch vor ein paar Jahren abgelaufen. Darauf hab ich einfach keine Lust mehr. Auch ein Fortschritt, oder?

Ich kann es mir sogar seit wenigen Tagen verkneifen, seine Profile auf Instagram und Facebook zu besuchen. Wundert mich zwar selber, ich befürchte auch, dass dies nicht mehr lange anhält und meine Neugier siegt, beziehungsweise mein inneres Verlangen, mir weh zu tun, indem ich mir Bilder von ihm anschaue, aber hey, solange das nicht der Fall ist, sollte ich mich dazu nicht zwingen.

Ich stelle mir mehrmals am Tag vor, wie er bei mir klingelt, mit mir reden will oder einfach den Kontakt sucht. Ich überlege, ob er mir zum Geburtstag gratulieren wird. Ich habe in circa zwei Monaten, er hat fünf Tage nach mir. Wenn er mir nicht gratuliert, was wahrscheinlich ist, denn er will ja keinen Kontakt, dann werde ich ihm nicht gratulieren. Wenn er mir gratuliert, werde ich ihm auch nicht gratulieren. So der Plan aktuell. Sollte er mir zum Geburtstag gratulieren, fände ich das sehr heuchlerisch. Tut er es nicht, bin ich trotzdem traurig.

Ihr seht, noch kreist der Großteil meiner Gedanken um ihn. Aber ich lasse das einfach mal so, was soll ich auch anderes machen, diesmal will ich es richtig ver- und abarbeiten, verdrängen bringt da nichts. Überhaupt seh ich mich am Anfang eines Weges stehen und langsam loslaufen. Okay, gerade binde ich  mir noch die Schuhe zu und gucke skeptisch, weil ich nicht weiß, was mich erwartet.Aber zumindest laufe ich nicht mehr im Kreis. Der Ex läuft weiter im Kreis, sein Radius wird vielleicht hier und da größer, aber er bleibt im Kreis. Am Ende versucht er, aus dem Kreis auszubrechen, hat aber keinen Mumm in der Hose und kehrt doch wieder zurück. Sollte er es jemals schaffen, überhaupt auszubrechen, werde ich hoffentlich schon eine ganze Weile auf dem Weg unterwegs sein. Vielleicht nehme ich hier und da ein paar Abzweigungen oder warte doch noch hoffnungsvoll (nur für eine kurze Zeit) am Wegesrand. Aber Weg bleibt Weg und Kreis bleibt Kreis.

Und trotzdem frag ich mich noch jeden Tag: Vermisst er mich? Hat er mich bereits vergessen? Hört diese Fragerei irgendwann auf?

Tag Achtundfünfzig. Die Sache mit der Angst.

Über zwei Wochen Funkstille. Als wär es gestern gewesen, dass der Ex gegangen ist und doch nicht gegangen ist. Bis auf das „Du fehlst. – Du fehlst mir auch.“ keine Reaktion von ihm oder von mir. Und dennoch, er ist immer da. Der Wecker klingelt, ich wache auf, zack, der Ex ist im Kopf. Ich sehe uns vor meinem inneren Auge, zusammen, die ganze Zeit. Wie wir tanzen gehen, mit seinen Freunden. Wie wir Zeit verbringen in unserer Wohnung (bevor hier jemand denkt, ich bin irre, wir haben nie zusammengewohnt, ich kann auch nichts für meine Phantasie ;-) ), wie wir einfach zusammen sind. Weil wir zusammenpassen. Und ja, ich würde gern tauschen. Das er permanent in meinem Kopf rumschwirrt, macht mich kirre! Und ich frage mich, wie lange das noch anhält… wir haben keinen Kontakt, sowas muss doch bald mal aufhören? Meine Güte, das ist eine fiese Strafe, dieser Liebeskummer. Als ob die Klatsche nicht schon groß genug wäre, die er mir erteilt hat, nachdem er sich ERNEUT gegen mich, gegen uns entschieden hat. Nein, nun darf ich ihn nicht mal vergessen, verarbeiten und emotional zur Seite legen, nein, ich denke die ganze Zeit an ihn.

Jaja, klassischer Liebeskummer, ich weiß. Na und? Das will ich nicht hören, ich bin trotzig und will, dass er aus meinem Kopf geht. Ja okay, ich lass ihn los, ich will ihn loslassen, er soll glücklich mit seiner Family werden. Er hüpft sicher total vergnügt  durch die Bude, weil er erleichtert ist, das alles geklärt zu haben, er wird sich wieder neu in seine Uschi verlieben und sie werden noch ein weiteres Kind zeugen, diesmal auch von beiden gleichzeitig gewollt. Ja, von mir aus kann das alles eintreten. Wenn ich sehe, dass er Bilder von sich auf Instagram postet und darauf entspannt aussieht, krieg ich die Krise! Gut, ich poste auch nur Bilder von mir, auf denen ich halbwegs entspannt bis happy aussehe, scheiß virtuelle Selbstverarsche. Aber ob es stimmt oder nicht, es macht mich traurig, wenn ich sehe, dass es ihm gut geht. Dass er mich so schnell vergessen hat. Scheinbar. Verdammte Dreckskacke, HAU AB AUS MEINEM KOPF!!!

Und dann überlege ich die ganze Zeit, was mein eigentliches Problem ist…Angst. Angst davor, einsam zu sein, niemals einen Partner finden, der bei mir ist. Lieber klammere ich mich an diese Chaosbeziehung und kann so insgeheim hoffen, dass er zurückkommt und lasse die Jahre vergehen… dumm ist das. Die Angst vor Einsamkeit. „Du bist nicht einsam.“ würde meine Freundin jetzt sagen. Klar, theoretisch bin ich nicht einsam, ich habe tolle, wirklich tolle Freunde und eine Familie, die zwar nicht perfekt, aber doch ganz okay ist. Aber das ist nun mal nur ein Bein. Das andere ist eine Beziehung. Und da kommt nicht nur die Angst vor Einsamkeit zum Vorschein, sondern auch die Angst vor Zurückweisung. Und – völlig bescheuert – ich suche mir Männer, um deren Aufmerksamkeit ich kämpfen muss, habe aber gleichzeitig Angst vor deren Verhalten, nämlich, dass sie mich nur dann wollen, wenn sie gerade mal Lust dazu haben.

Tja, das liest sich sicher alles mega verwirrt, ich hoffe, ich kann in einiger Zeit drüberlesen und den Kopf schütteln, was für ein Chaos in meinem Kopf geherrscht hat.

Der Ex, er fehlt mir immer noch so sehr. Mein Kopf sagt mir, dass es nicht geht, dass es vorbei ist, dass es einfach nicht bestimmt war, dass wir eine ausgeglichene Beziehung führen, sondern genau diese OnOff-Beziehung. Aber mein Herz, mein Gefühl sagt mir da was anderes. ich hoffe sehr, die beiden werden sich einig.

Der Kopf muss sich diesmal durchsetzen.

Tag Vierundfünfzig. Die Sache mit dem Hobby.

„Du fehlst mir auch“. Das war die Antwort vom Ex am Sonntag auf mein „Du fehlst.“. Jut, haben wir das auch geklärt. Mehr kam – zum Glück – nicht. Auch von meiner Seite aus nicht. Denn ich merke, an den anderen Tagen bin ich gut abgelenkt, aber die Sonntage sind hart. Da muss ich mir für die nächste Zeit noch was einfallen lassen. Habe mir jetzt die Auflage erteilt, sollte ich wieder das Bedürfnis haben, ihm etwas mitzuteilen, dann erst in Zwei Wochen. Anderthalb Wochen habe ich es jetzt ausgehalten, jetzt muss ich mich steigern. Vielleicht ist das kindisch. Ich probier es trotzdem.

Mein Kumpel meinte ganz lapidar „Such dir doch einfach ein Hobby, wenn ich mich mit meinen Bügelperlen verziehe, bin ich in einer anderen Welt.“ Was die Bügelperlen betrifft: Fragt nicht weiter, das lassen wir unkommentiert. Was das mit dem Hobby betrifft, hat er vielleicht gar nicht so unrecht. Aber was? Ich gehörte noch nie zu den Leuten, die sich lange an irgendeiner Freizeitbeschäftigung erfreut haben. Und es ist nicht so, dass ich es nicht probiert habe. Mit dem Nähen. Mit dem Sport. Mit dem Videos drehen, um ein super bekannter Youtube-Star zu werden. Wie auch immer, irgendwas brauche ich zur Ablenkung, denn ich versuche es gerade mit dem Slogan „Weg mit den Gedanken an den Ex, irgendwas machen.“ Klappt nur bedingt, denn der Ex ist immer noch sehr präsent in meinem Kopf.

Allerdings sehe ich so langsam ein, dass es keinen Sinn hat. Gefühle füreinander hin oder her, es hat keinen Sinn, auch noch die nächsten Jahre zu „vergeuden“ mit Warten auf einen Mann, der doch nie den letzten Schritt wagt und sich für mich entscheidet. Das Problem ist am Ende auch gar nicht der Ex, irgendwann kommt man darüber hinweg, irgendwann werden die Gefühle weniger, das hab ich in der Vergangenheit gemerkt. Mein Problem ist die Angst. Die Angst vor der Einsamkeit. Die Angst, nie wieder einen Mann kennenzulernen, als die Katzenfrau (ich mag Katzen gar nicht) zu enden. Allein zu enden, einsam. Ohne Liebe geben zu können, ohne Liebe zu bekommen. Und klar, jetzt sagt jeder, so ein Quatsch! Würde ich einer Freundin auch sagen, die solche Gedanken hat, aber für mich ist genau diese Angst gerade so präsent, dass es mich daran hindert, den Ex emotional wirklich loszulassen. Denn wenn ich ihn verarbeitet hab, dann ist mein Herz leer, dann ist niemand da, für den ich Gefühle habe, dem ich nachhängen kann. Eine Freundin hat mal zu mir gesagt, ich bin verliebt in die Liebe. Hat sie Recht.

Was den Ex betrifft, begreife ich wirklich so langsam, dass es vorbei ist. Vorbeivorbei. Er fehlt mir immer noch sehr. Es schmerzt, wenn ich an ihn denke, daran, dass ich mich nicht mit ihm unterhalten kann, wo wir uns so gut verstanden haben, gemeinsame Ansichten und Werte hatten (klingt bissel spießig, ich wusste nicht, wie ich es anders umschreiben sollte). Ich kann ihn nicht umarmen, nicht mehr an ihm schnuppern und ihm durch die Haare wuscheln. Das alles werde ich nicht wieder tun können und je mehr man das begreift, umso trauriger wird das alles. Aber egal, meine Mutti hat am Sonntag gesagt „Acht Jahre sind zu lang für dieses Theater!“ Und Mutti hat nun mal immer Recht. In einem Jahr möchte ich über ihn hinweg sein, soweit, dass ich entspannt sagen kann, ja, das ist mein Ex, schön, wenn es ihm gut geht. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich freue mich auch auf die Therapie. Auch wenn ich es ungern Therapie nenne. Klar, wenn ich damit anfange, wird sich meine Freude sicher erstmal schmälern, aber ich freue mich einfach, dass sich was bewegt, dass ich mich bewege, dass ich dazu bereit bin, etwas an der Situation zu ändern und nicht mehr komplett wie ein Häufchen Elend dasitze und sage „Aberaberaber…er kommt doch bestimmt zu mir zurück!“ Ein Häufchen Elend bin ich immer noch, aber tatsächlich gerade zuversichtlicher als sonst. Und das mit dem Hobby lass ich mir nochmal durch den Kopf gehen.

Nebenbei gefragt, was sind denn 2015 so für Hobbys angesagt?